Wissigli

Redaktion: Markus Aschwanden KKI
Drohnen-Fotografie: Felix Aschwanden

Erstellt: 2019
Datensammlung: Markus Aschwanden

Foto 004312             Das Häimä Wissigli liegt gleich  hinter dem Dorf. Das Wissigli-Haus trohnt auf einem Geländerücken und blickt zum Dorf hinunter. Wissigli bedeutet laut ortsnamen.ch  ‘Kleiner Hof bei der Wissig’.

Drohnen-Video: Flug über das Wissigli

Grundbuch

Liegenschaft Nr. 144

(Hauptbuchblatt 253), Plan Nr. 6, Wissigli
8’576 m²

Eigentümer
Mathias Walter Bissig-Traxel
Freiherrenstrasse 23, 6468 Attinghausen

 

 

Die Besitzer des Wissigli

Im, um 1859 eröffneten Hypothekarbuch Uri sind folgende Besitzer des Wissigli verzeichnet:

Anton Imholz

Michael Imholz

Josef Schieli

Karl Bissig 1853-1921, Weibel  (Schuenis) verh. mit Aloisia Infanger 1868-1941, Eltern von Marie Bissig (Ds’Weibeli).
Den Eltern Anton 1825-1894 und Franziska Josefa 1826-1905 Bissig-Zwyssig gehört sowohl die obere Wissig (Komitee) wie auch das Wissigli. Den Sommer und Vorwinter verbringt die Familie (Schuenis) auf Gitschenen in der unteren vorderen Egg.

Wendelin Imhof 1878-1944 lebt bis 1921 im Wissigli. Seine Frau Katharina Gasser (Gubeler) stirbt bei der Geburt des zweiten Kindes. (Kinder: Katharina 1913-1954 und Wendelin 1914-1981).
Er heiratet 1918 Anna Zwyssig. Noch im Wissigli gebärt Anna Drillinge, die aber alle sterben.
1921 kauft Wendelin Imhof-Zwyssig den Oberen Neien. Seine Ziegen haben im Wissigli die Gärten der Nachbarn unsicher gemacht. Im Oberen Neien stellt sich dieses Problem nicht. Die Ziegen können von dort leicht auf den Baberg gebracht werden.

Foto 07510           Schueni Sepps Familie
hinten  v.l.      Gustav  /  Dominik  / Wendelin  /  Josef
Mitte  v.l.        Margaritha  /  Josephine  /  Emma  /  Katharina  /  Hermina
unten  v.l.        Marie Müller  /  Josef Bissig-Schuler  /  Anna Bissig-Schuler  /  Ida

Josef Bissig 1859-1945 (Schueni Sepp) ist der Bruder von Karl Bissig (Weibel). Auch er lebt mit seiner Frau Anna geb. Schuler 1862-1947 und seiner Familie in der Wissig und auf Gitschenen.
Ihr Sohn Wendelin Bissig übernimmt als nächster das Wissigli.

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Wendelin Bissig
1887-1965 heiratet 1923 Katharina geb. Arnold 1893-1977 (Ds’Holzschue Trini). Die erste Zeit wohnen sie bei der Schwester von Trini in der unteren Fernen.
1925 können sie dem Wendelin Imhof das Wissigli abkaufen. Ein grosser Teil der Kaufsumme, die bar zu bezahlen ist (5977.60 Fr.), wird von Trini beigesteuert. Damit ihr Erbe ausbezahlt werden kann, wird in der Vorderen Schwanden bei Ds’Holzschuenis angeblich sogar Vieh verkauft.

Foto 17296        Die Familie von Katharina und Wendelin Bissig-Arnold (Schueni-Wändels)
hinten v.l.         Remigi  /  Katharina  /  Walter  /  Ida  /  Gusti  /  Martin
vorn v.l.            Edi  /  Emmi  /  Mutter Katharina  /  Vater Wendelin  /  Anna

Winter nahe beim Dorf – Sommer auf der Alp

Für die Kinder von Schueni-Wändel war es angenehm, den Winter so nahe beim Dorf zu verbringen. Ihr Schulweg war um einiges leichter, als der für die meisten ‘Schulgschpänli’, und vor allem leichter als der ihres Vaters damals im Vorwinter bis auf die Egg.

Während der Alpzeit zogen viele Familien aus dem Tal auf die Alp. Auch das Wissigli wurde, wie viele andere Häuser auch, an Leute aus der Stadt vermietet. Jeden Frühling wurde das ganze Haus geputzt. Das Haus wurde für die Sommergäste hergerichtet und die sauberen Zimmer durften möglichst nicht mehr betreten werden. Bis zur Alpfahrt mussten die Knaben dann unter dem Dach schlafen, die Mädchen durften in ihren Zimmern bleiben.

Foto 04100        Auf dem Friedhof: Im Vordergrund die Eltern Anna und Josef Bissig-Schuler (Schueni Sepp) und dahinter Katharina und Wendelin Bissig-Arnold (Schueni Wändel)

Foto 05560 u 16150               

Gusti 1928-2001 und Remigi 1926-2012 Bissig (Schueni Wändels Guschti und Remigi, Söhne von Wendelin und Katharina) übernehmen 1977 das Wissigli.

Besitzer 2019

Foto 17597

Mathias und Aurelia Bissig-Traxel sind ab 2012 Besitzer des Wissigli.

Mathias Bissig, Sohn von Schueni Wändels Walter, erbt das Häimä Wissigli von seinen Onkeln.

Besitzer des Wissigli  laut Hypothekarbuch Uri

1859 Anton Imholz
Michael Imholz
Josef Schieli
Karl Bissig, Weibel, verh. mit Aloisia Infanger. Karl’s Vater ist Anton Bissig, dem die obere Wissig gehört.
Wendelin Imhof verh. mit Katharina Gasser  (Gubeler) , in 2. Ehe mit Anna Zwyssig
1925 Wendelin Bissig (Schueni Wändel) verh. mit Katharina Arnold (Holzschuenis), Wendelin ist ein Sohn von Schueni Sepp und Bruder von Josef, welcher das Komtee übernimmt.
1977 Gebr. Gustav und Remigi Bissig, Söhne von Wendelin Bissig-Arnold
2012 Mathias Bissig-Traxel, Sohn von Schueni Wändels Walter, Neffe von Gusti und Remigi

 

Der Betrieb Wissigli

Foto 17294               Das Haus im Wissigli wird Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut. Jahre später baut man, um Platz im Haus zu schaffen, auf der westlichen Seite eine ‘Witterä’ an. Das obere Stockwerk wird vermutlich zeitweise vermietet, da auch dort ein kleiner Kochherd eingebaut ist.
Wendelin Bissig ergänzte das Haus dann noch mit den zwei ‘Guggeeren’.

Foto 17299             Die Aussicht talauswärts und der schöne Blick über das Dorf Isenthal sind mehr als nur Entschädigung für die Wochen, an denen das ‘Horä’, mit seiner eindrücklichen senkrechten Felswand, keinen einzigen Sonnenstrahl zum Haus vordringen lässt.

Vreni Michu

Im Wissigli stand bis in die Fünfziger-Jahre ein Klavier. Imholz Michael, genannt Vreni Michu, einer der Vorbesitzer, hat vermutlich darauf gespielt. Er war Organist in der Pfarrkirche. Michu war für damalige Verhältnisse  ein vornehmer Mann und  trug oft weisse Handschuhe.

Foto 04169                Wendelin Bissig-Arnold lebt in den Sommermonaten, wie seine Vorfahren, auf der Egg und im Sonnigen Horlachen. Um dorthin zu gelangen benutzt er die Luftseilbahn von der Schwändi in die Egg. Für die Fahrt wird in der Bergstation Wasser in den Tank gefüllt. Dann geht die Fahrt anfangs rasend schnell, weil oben das Gefälle grösser ist, als unten die Steigung.
Im Bild vorn v.l.   Hebamme  /  Katharina Bissig-Arnold  / Wendelin Bissig-Arnold (Schueni Wändel)

Foto 03963              Im Sonnigen Horlachen und im Sulztal ist Wendelin für das Vieh der Genossenschaft Luzern verantwortlich. Hier steht er mit seiner Familie vor dem alten Haus (das später von der Lawine zerstört wird).
v.l.      Anna  /  Emmi  /  Mutter Katharina  /  Käthi  /  Ida  /  Vater Wendelin  /  Edi  /  Remigi  /  Gusti

Foto 17302                Auch die Brüder Remigi und Gusti Bissig sind im Sommer von der Luzerner Genossenschaft als Hirten im Sonnigen Horlachen und im Sulztal angestellt. Sie machen diese Arbeit mit sehr viel Liebe und Engagement. Im Winter wohnen sie in ihrem kleinen Häimä Wissigli.
Im Sulztal:  v.l. Gusti  /  Remigi Bissig

Foto 17300         Der für damalige Verhältnisse moderne Stall im Wissigli mit einem Tenn zwischen Haupt- und Zustall wurde 1951 an Stelle eines alten Stalles erbaut.

Foto 17598          Remigi Bissig, ein Bauer durch und durch. Einmal begleitete er eine Herde Rindvieh bis nach Istanbul in der Türkei.

Foto 17596           Ein wichtiger Ort im Wissigli ist die Trogdecke (im Bild links unten). Dort wird das Vieh getränkt, Wasser für den täglichen Gebrauch geholt und im installierten Wäschehafen die Wäsche gewaschen.

Foto 003596                 In früheren Zeiten gehörte auch eine Waldparzelle zum Wissigli. Diese befand sich unterhalb der Furggelen westlich vom Riebgarten.

Foto 17600                Der Tosed Stei steht nicht weit hinter dem Dorf direkt an der Grosstalerstrasse. Ein Teil des Tosed Steis gehört zum Wissigli.

‘Dr tosed Stei’ am Anfang und am Ende des Lebens

Auch im Isenthal war in früheren Zeiten Aufklärung ein Tabuthema. Die Isenthaler hatten ihre eigene Storchen-Variante. Die kleinen Kinder, erzählte man, kämen  aus dem “Tosed Stein”. Es gibt im Stein angeblich zwei verschiedene Öffnungen, eine für Mädchen und eine für Buben!

Am Stein ist ein Kreuz angebracht. Es war eine sogenannte ‘Lyychä-Ghirmi’, bei welcher ein Besinnungshalt mit einem Gebet für den Verstorbenen eingelegt wurde.

Foto 17601              

Die Familie Antoinette und Toni Kempf-Wyrsch bearbeitet heute das Wissigli von der benachbarten Weid aus.