Schattig Horlachen

Redaktion: Markus Aschwanden KKI
Drohnen-Fotografie: Felix Aschwanden

Erstellt: 2019
Datensammlung: Vreni Bissig-Herger

Foto 03854      Das Häimä Schattig Horlachen liegt im Grosstal auf einer Terasse unterhalb der Felswand zum Horn und in Abstand zur Chulm auf 1250 m ü.M.
Der Name Horlachen kommt laut ortsnamen.ch von “-lache” und bedeutet ‘leicht sumpfiges Gebiet’. Heute ist der Horlachen zum grossen Teil drainiert (entwässert).

Drohnen-Video: Flug über den Schattig Horlachen

Grundbuch

Liegenschaft Nr. 435

(Hauptbuchblatt 104), Plan Nr. 21, Schattig Horlachen
155’986 m²

Eigentümer
Andreas Herger-Bertolosi
Grosstalstr. 5, 6461 Isenthal

 

 

Die Besitzer des Schattig Horlachen

Bei der Eröffnung des Hypothekarbuches Uri 1859 besitzt Jakob Josef Zwyssig, alt Gemeindepräsident, von Seedorf den Schattig Horlachen. Besitzer des Senkberg ist zur gleichen Zeit ein Josef Zwyssig, Kirchenvogt. Sind es Brüder oder ist es sogar derselbe?

Danach beginnt im Schattig Horlachen die Ära der Herger.

1878 zog die Familie Johann Josef  1847-1920 und Aloisia 1846-1927 Herger-Müller von Spiringen mit 10 Kindern in den Schattig Horlachen. Hier gebar Aloisia weiter 10 Kinder.
Joahnn Josef scheint ein sehr tüchtiger Mann gewesen zu sein. Seine 20 Kinder unterstützten ihn bei der Arbeit und er konnte im Isenthal einige Häimä für seine Söhne aufkaufen.
Sicher ist, diese Familie hat im Isenthal für Blutauffrischung gesorgt. Im Isenthaler Ehebuch ist in fast jeder zweiten Ehe ein oder eine Herger vom Schattig Horlachen verzeichnet.

Foto  00411            1 Hartmann Michael ob Schwaendi . 2 Jauch Michael Schloffen . 3 Aschwanden Zacharias Neyen . 4 — . 5 Aschwanden Johann Kasperler. . 6 — . 7 Imholz Hans Sack . 8 Imhof Johann Bodmi . 9 Ziegler Ferdinand Schattenberg . 10 Herger-Arnold Marie Strassenmeisters . 11 Herger-Bissig Josefina Wissig . 12 Truttmann Hans Sepp Seelisberg . 13 — . 14 Johann Anton . 15 — . 16 Herger-Imholz Franz . 17 Herger Alois Strassenmeister . 18 Hartmann-Herger Salome . 19 — . 20 Jauch-Herger Schloffen . 21 — . 22 Imholz Franziska Sack . 23 .Anna Chaspers . 24 Herger Marie . 25 Herger Severina . 26 Herger Johann Josef Horlachen . 27 Herger-Müller Aloisia . 28 Herger-Gerig Josef Schwendlen . 29 Herger-Bissig Kaspar Wissig . 30 Herger-Aschwanden Andreas Horlachen .

Foto 17469  (Ausschnitte aus Foto 00411)               Vom Vater Johann Josef Herger-Müller übernahmen die drei Brüder 1906 den Besitz gemeinsam.

Foto 05612 u 17112

Andreas Herger 1884-1957  übernahm 1920 den Schattig Horlachen allein.  Er heirate 1922  Josefine Aschwanden 1896-1926 Tochter von Jost Aschwanden, Unteres Horn (z’Horäschriiners).
Als erstes Kind kam 1923 Josefina (heiratet Wendelin Imhof, Neien), 1924 Res (heiratet Marianne Mathis), 1925 Paulina und 1926 Hans (‘Hänseli’ Herger-Gerstmann in Seedorf).
Bei dieser Geburt stirbt die Mutter und Ehefrau.

 

Mutter gestorben

Nach dem Tod seiner Frau 1926 musste Andreas Herger-Aschwanden schweren Herzens drei der Kinder zu einer Tante im Untern Horn geben: die dreijhährige Josefine, die einjährige Pauline und den frischgeborenen Hans.

Nur der zweijährige Andreas blieb bei seinem Vater auf dem Schattig Horlachen. “Mich wollte der Vater behalten, da er nun allein war. Die gegenseitige Beziehung wurde so besonders eng.”, sagt Andreas in der ‘Urnersee-Brattig’ Nr. 04/2018

Foto 17117      Sattel Stall (seit 1669) und Hütte (1881)

Als Dreijähriger allein im Wängi oder Sattel

aus der ‘Urnersee-Brattig’ Nr. 04/2018:  “Vater und ich waren im Frühling meistens im Wängi und dann im Sommer auf dem Sattel. Bei schönem Wetter musste der Vater in den Horlachen zum Heuen und liess mich bereits als Dreijährigen den ganzen Tag allein.
Wenn ich Angst hatte, habe ich gejauchzt und das Echo gab mir das Gefühl nicht allein zu sein. Der Vater erklärte mir, da seien Bergmandli, die mich beschützen und mir in der Not zu Hilfe kämen. Oft habe ich nach ihnen gesucht in den Felsen, habe sie nie gesehen, aber ich fühlte mich behütet.

Foto 17115                   Im Jahr 1951 übernahm dann der Sohn Andreas 1924 den Schattig Horlachen. Er findet in Marianne Mathis aus Wolfenschiessen die grosse Liebe.
Andreas und Mariann Herger-Mathis werden Eltern von 10 Kindern: Hans-Rudolf 1951  /  Walter 1954  /  Jost 1956  / Andreas  1957  /  Dorothea 1959  /  Nikolaus 1960  /  Ulrich 1962  /  Marianne 1963  / Ursula 1966  / Thomas 1971

Horlachä Res über seine grosse Liebe

Res erzählt in der ‘Urnersee-Brattig’ Nr. 04/2018: “Gerne hätte ich eine Frau kennen gelernt, oft habe ich um eine gute Frau gebetet. Ein älterer Isenthaler vermittelte uns eine Haushalthilfe (die Tochter des Seilbahnbauers). Zwei Sommer war sie bei uns – und im Winter besuchte ich sie, mit den Skiern über Gitschenen-Schoneggpass-Bannalp bis nach Wolfenschiessen und denselben Weg zurück.
Am 25.5.1950 durfte ich meine grosse Liebe, Marianne Mathis in Wolfenschiessen zum Traualtar führen.
Auf der Hochzeitsreise besuchten wir für zwei Tage ihre Schwester in Schaffhausen.

Foto 17466             Im Jahr  1985 übergeben Andreas und Marianne Herger-Mathis den Schattig Horlachen ihrem Sohn Andreas 1957 und seiner Frau Graziella Herger-Bertolosi. Das Ehepaar hat zwei Kinder: Andreas und Angela.
v.l.       Angela Herger  /  Armin   und   Graziella Herger-Bertolosi  /  Andreas Herger

Besitzer im Jahr 2019

Foto aus der Website ‘horlachrind.ch’           

Andreas Herger-Bertolosi, Schattig Horlachen

Foto 17463  

Familie Andreas und Angelina Herger-Straumann mit ihren Kindern Anina und Andrin.

 

 

 

Zukunft im Horlachen

Die Nachfolge-Frage ist häufig für Familien auf ihrem Häimä schwierig. Darum freuen wir uns, wenn das für den Horlachen positiv ausgehen sollte.
Der Website ‘horlachrind.ch’ ist zu entnehmen, dass die Zukunft für das Häimä sehr gut aussieht. Sohn Andreas 1988 möchte den Hof übernehmen. Seine Frau Angelina geb. Straumann, die er 2014 geheiratet hat, besucht seit Aug. 2016 die Landwirtschaftliche Nachholbildung. Die beiden haben zwei Kinder.

Besitzer des Schattig Horlachen  laut Hypothekarbuch Uri

1859 Jakob Josef zwyssig, alt Gemeindepräsident, von Seedorf
1887 Josef und Aloisia Herger-Müller (zugezogen mit 10 Kindern aus Spiringen)
1906 Gebrüder Andreas, Alois und Franz Herger gemeinsam
1920 Andreas und Josefine Herger-Aschwanden
1951 Andreas und Marianne Herger-Mathis
1985 Andreas und Graziella Herger-Bertolosi

 

Der Betrieb Schattig Horlachen

Foto 17135             Das alte Haus im Schattig Horlachen
Das alte
Haus im Horlachen ist 1768 erbaut worden.  Die Familie Josef und Aloisia Herger-Müller mit ihren 10 Kindern zogen in dieses Haus, als sie 1887 von Spiringen in den Schattig Horlachen zügelten. Zehn weitere Kinder sind dort dazu gekommen. Die Familie lebte auf engem Raum. Vater Josef und Mutter Aloisia hatten aber immer viele Hände, die sie bei der Arbeit unterstützten.

Ab 1920, als der Horlachen Andreas Herger-Aschwanden gehörte, änderte sich die Situation vollständig. Nachdem seine Frau Josefine nach 4 Ehejahren 1926 gestorben war und drei der Kinder im Horn lebten, hatten Res und sein kleiner Sohn viel Platz und viel Arbeit.

Einsamkeit und Arbeit

 Adreas Herger-Mathis berichtet in der ‘Urnersee-Brattig’ Nr. 04/2018 vom Leben auf dem Horlachen um 1930: “Im Frühling und Herbst kam eine Wäscherin, sonst trugen wir immer dieselben Kleider. Später kamen auch zwei meiner Geschwister wieder zu uns, was mich sehr freute, so hatte ich Spielkameraden mit denen ich in der wenigen freien Zeit mit Tannzapfen und Schneckenhäuschen spielen konnte.
Mit 8 Jahren ging ich mit meinem zwei Jahre jüngeren Bruder auf die Alp mit 9 Kühen und einigen Rindern, Kälbern, Ziegen und Schafen. Vater kam zum Käsen und Butter machen, die andere Arbeit machten wir. Bereits mit 12 Jahren trug ich am Freitag jeweils 6-7 kg Butter ins Tal hinunter und kaufte Esswaren für die nächste Woche.

Foto 17128               1924 baute Andreas Herger-Aschwanden einen neuen Stall. In diesem Jahr kam auch das zweite Kind, Andreas, zur Welt. Die Welt war noch in Ordnung auf derm Horlachen.

Foto  17102            Bis 1946 musste alle Ware in den Horlachen hinauf getragen werden. Der Fussmarsch dauerte mind. eine Stunde, im Winter bestimmt einiges länger.
1946 erstellte der Seilbahnbauer Mathis aus Wolfenschiessen die erste Luftseilbahn von der Grosstalstrasse hinauf ins Häimä. Das war eine gewaltige Erleichterung für die Familie im Schattig Horlachen. Und für den damals 20jährigen Andreas war damit auch der Weg zu seiner Ehefrau Marianne Mathis offen.

Foto 17133             Der Stall (von 1924) wurde vor 1950 durch einen Neubau abgelöst. 1943 hatte Michael Zurfluh 1890, Riedmatt eine mobile Gatter-Säge gekauft. Man weiss, dass Michael in den folgenden Jahren seine Säge für einige Zeit auch in den Schattig Horlachen zügelte und dort alles Holz für den Stallneubau sägte. Dieses Bauvorhaben wurde also noch von Andreas Herger-Aschwanden verwirklicht.

Foto 17136       Um 1954 renovierten Andreas und Marianne Herger-Mathis das uralte Haus (1768) um für ihre noch lange nicht vollständige junge Familie ein behaglicheres Heim zu schaffen.

Foto 17144           Im Jahr 1973 wurde die Seilbahn erneuert, damit auch Personen mitfahren durften.

Foto 17137          Andreas Herger 1957 baute im Jahr 1983  einen neuen, grosszügig geplanten Stall an einem Standort oberhalb des Hauses direkt neben dem ganz alten Stall.

Foto 17126              Das neue Haus von Andreas war 1988 auf die Hochzeit mit Graziella Bertolosi fertig gebaut.

Foto 000067                 Das Ehepaar Herger-Bertolosi investierte auch viel in den den Maschinenpark. Dadurch ist es heute möglich, dass Andreas und Graziella die Arbeit auf dem Hof meistens allein bewältigen können.
Nachdem 1991 die Seilbahn saniert und mit elektronischer Steuerung ausgerüstet war, wurde für die Familie auch die Verbindung ins Tal vereinfacht.

Foto 17118         Der Vater des aktuellen Besitzers hatte noch Original Braune gemolken und Kälber gemästet.
Andreas 1957 wechselte die Rasse ganz langsam über mehrere Jahre. Seit 2010 hat er Schottische Hochlandrinder. Im Jahr 1992 hat der Betrieb das IP-Label erhalten. Im 1995 kam die Bio-Knospe dazu und gleichzeitig wechselte Andreas zur Mutterkuhhaltung.

Foto 17472

Heute sind sind auf dem Hof 14 Schottische Hochlandrinder und 10 Kühe von drei verschiedenen Rassen. Seit dem Herbst 2017 arbeitet auch ‘Quebec’, ein Schottischer Hochland-Stier auf dem Horlachen.

Auf dem Schattig Horlachen wird Fleisch mit dem Bio-Knospen-Label produziert, d.h. es dürfen keine Medikamente oder Antibiotika eingesetzt werden.

Über die Website  ‘horlachrind.ch’ kann solches Fleisch bestellt werden.

Foto 17462            

Bald einmal werden Angelina und Andreas Herger-Straumann den Schattig Horlachen übernehmen.