Rütlenen

Redaktion/Autor: Markus Aschwanden KKI
Drohnen-Fotografie: Felix Aschwanden

Erstellt: 2019
Datensammlung: Markus Aschwanden

Foto 003911       Das Häimä Rütlenen liegt im Kleintal unter dem Wanggrat auf  rund 1400 m ü.M. Von der benachbarten Gietisflue führt uns  ein Wanderweg leicht ansteigend in 10 min zur Rütlenen. Dieses Häimä wurde vermutlich nie ganzjährig bewohnt. Im Winter ist der Zugang nicht immer lawinensicher.
Die Rütlenen wird in älteren Dokumenten oft auch Rüteli genannt. (Mittelhochdeutsch: riuten, reuten, roden)

Drohnen-Video: Flug über die Rütlenen

Grundbuch

Liegenschaft Nr. 187

(Hauptbuchblatt 269), Plan Nr. 18, Rütlenen
164’300 m²

Eigentümer
Robert Bissig-Arnold
Spätach 6, 6472 Erstfeld

 

 

Die Besitzer der Rütlenen

Im Erstellungjahr des Hypothekarbuches 1859 ist ein Johann Jauch als Besitzer der Rütlenen eingetragen. Es ist zu vermuten, dass er ein Vorfahre der späteren Besitzer namens Jauch ist.

Anschliessend ist Franz Kempf Eigentümer. Wir vermuten, dass er der damalige Besitzer der Gietisflue war, der auch Franz Kempf . heisst.  Leider lässt sich diese Verbindung nicht durch Jahreszahlen belegen. Im Hypothekarbuch fehlen diese anfänglich.

Danach folgt Johann-Josef Jauch Wang 1851-1917, dessen Kinder im Foto unten  zu sehen sind.

 Miseeler

Johann Josef Jauch 1840-1917, im Volksmund ‘Miseeler’ genannt war bekannt durch seine feurigen, originellen und markanten Reden an den Korporations- und Landsgemeinden. Er verwendete häufig das Wort “My Seel” und wurde in der Folge ‘Miseeler’ genannt.

Foto 00524           Kinder von Anna und Johann-Josef Jauch-Aschwanden Wang
hinten v.l.      Jost 1898-1986  /  Dominik 1897-1963  /  Hans 1893-1984  /  Alois 1894-1977  /  Michael 1899-1976
vorn v.l.      Severina 1902-  /  Marie 1885-1982   /  Margrit 1903-1986  /  Anna 1900-1988   – Josef fehlt auf diesem Foto
Im Hypothekarbuch Uri sind ab 1917 die Jauch Gebr. Johann, Alois, Josef, Dominik und Jost vorder Wangberg als Besitzer der Rütlenen aufgeführt. Warum ihr Bruder Michael nicht auch zu den Erben gehört, ist uns nicht bekannt.
1926 ist der Bruder Josef als Besitzer ausgeschieden. Die verbleibenden 4 Jauch-Brüder besitzen nun die Rütlenen gemeinsam.

Leser-Beitrag
10.11.2019

Die Frage zu Michael Jauch 1899-1976 beantwortet von Marie-Theres von Rotz (‘Ich stamme vom Vorderwand – meine Mutter, die kürzlich verstorben ist, war die Älteste.’):

“Meine Tante hat mir erzählt, dass Michael  zu dieser Zeit bereits unter Vormundschaft stand und so rechtlich nicht hätte Grundeigentum erwerben können.”

Foto 07587                  1930 kann der Bruder Alois Jauch 1894-1977 zusammen mit seiner Frau Marie, geb. Infanger 1897-1991 vom Stalden, die Rüti (Rütlenen) allein übernehmen.



Fotos  05587 und 12400     Hans Jauch 1934-1999 der Sohn von Alois Jauch 1894 übernimmt die Rütlenen 1962. Er heiratet Josy Gasser 1939 von Neyberg. 
Die Rütlenen wird im gleichen Jahr an Severin Bissig-Kieliger verkauft.

Foto 05544             1962 kauft Severin Bissig-Kieliger, Horn 1927-1997 die Rütlenen. Er bewirtschaftet sie 25 Jahre lang zusammen mit seiner Frau Hewig geb. Kieliger 1937 und den 6 Kindern Agatha, Hedwig, Franz, Anna, Marie und Ruth. Severins Eltern von der Oberen Furggelen sind Severin Bissig 1855-1963 und Gertrud geb. Ziegler 1903-1982.

Besitzer im Jahr 2019

Foto 01381               1987 kaufen Robert und Theres Bissig-Arnold  die Rütlenen. Beide sind im Isenthal aufgewachsen. Robert als Sohn von Franz Bissig (Getscheler) und Trudi Infanger (Bini Karis). Nach den frühen Tod seines Vaters wohnt Robert für das Beenden der Schule im Hermisegg, bevor er seiner Mutter nach Erstfeld folgt. Theres kommt von der Oberbärchi.

Besitzer der Rütlenen  laut Hypothekarbuch Uri

1859 Johann Jauch
Franz Kempf
Johann-Josef Jauch, Wang
1917 Jauch Gebr. Johann, Alois, Josef, Dominik, und Jost, Vorder Wangberg
1926 Jauch Gebr. Johann, Alois, Dominik, und Jost, Vorder Wangberg
1930 Alois Jauch, Wiler (verh. mit Marie geb. Infanger)
1962 Hans Jauch, Wiler (verh. mit Josy geb. Gasser)
1962 Severin Bissig-Kieliger, Horn (verh. mit Hedy geb. Kieliger)
1987 Robert und Theres Bissig-Arnold, Spätach, Erstfeld

Der Betrieb Rütlenen

Foto 16542           Die Inschrift über dem Eingang in den Obergaden der Rütlenen-Hütte weist mit der Jahrzahl 1867 auf   Johann Jauch hin, von dem wir aus dem Hypothekarbuch wissen, dass er sicher 1859 Besitzer des Häimä war. Der zweite Hinweis sind die Initialen M+I. Das I könnte für Jauch stehen.
Die Rütlenen wurde im Verlauf ihrer Geschichte von den Besitzern unterschiedlich genutzt. So wird Franz Kempf, der in der Gietisflue bauerte, die Rütlenen, die ja anschliessend an die Gietisflue liegt, vermutlich von dort her bewirtschaftet haben.
Auch Johann-Josef Jauch, dem die Wang gehörte, hat die Rütlenen vermutlich von dort aus genutzt.

Fotos   07228  /  01007  /  07577  /  04782  /  05230
v.l.  Johann Jauch 1893-1984     /  Alois Jauch 1894-1977     /    Josef Jauch 1895-1987        /      Dominik Jauch 1897-1963        /  Jost Jauch 1898-1986
Ab 1917 sind diese fünf Jauch-Brüder für 13 Jahre gemeinsame Besitzer der Rütlenen. Wie sie die Arbeit auf dem Häimä unter sich aufgeteilt haben, ist nicht bekannt. Zu vermuten ist, dass wohl einer von ihnen im Sommer in der Rütlenen Wohnsitz hatte.

Foto  00522                

Familie Alois und Marie Jauch-Infanger mit ihren Kindern v.l.   Margrith  /  Hans  /  Marie

Alois Jauch 1894-1977 übernimmt die Rütlenen 1930 als alleiniger Besitzer. Sein Haupterwerb aber ist der Wiler. Es scheint so, dass Alois und seine Familie eher tageweise in der Rütlenen arbeiteten und sonst im Wiler lebten. Es sollen auch andere Bauern, gegen Entschädigung an Alois Jauch, die Rütlenen geheuet haben.

 

Sohn Hans Jauch-Gasser 1934-1999  übernahm 1962 die Rütlenen um sie im gleichen Jahr an Severin Bissig zu verkaufen.

Foto 05544                       Severin Bissig 1927-1997  mit seiner Frauf Hedwig geb. Kieliger und 6 Kindern konnte die Rütlenen 1962 kaufen. Während 25 Jahren ist sie im Sommer nun Severins Arbeitsort. Im Winter wohnt die Familie im Horn ( Haus mit kleinem Stall).

Im Sommer aber ist die ganze Familie in der kleinen Hütte in der Rütlenen zu Hause. Es gibt da nur einen kleinen Wohnraum neben der Küche. Die Schlafplätze befinden sich darüber.
Severin hat Schafe und Ziegen. Auch ein Schwein wird im Sommer gemästet und im Herbst gleich in der Rütlenen gemetzget.

Severin errichtete schon früh eine Transportseilbahn von der Kleintalstrasse (Chli Bergli) zu seinem Häimä. Die Seilwinde von damals ist noch heute für die Seilbahn in Betrieb.

Für Severin gibt es die ganze Zeit genügend Arbeit. Wenn nicht geheut werden musst, schlägt er im Eigenwald Holz. Für die Arbeit hat er eine  der ersten Motorsägen. Er spannt im Häimä  Seile, an denen er das Holz zur Hütte hinunterfahren lässt. Von dort transportiert er es mit der Seilbahn oder ‘reistet’ es  durch den Luegizug und die hintere Schwäntlen zur Kleintalstrasse. Der Holzverkauf ist ein wesentlicher Teil seines Einkommens.

Severins Geissen

Severin hatte immer 3-4 Geissen. Diese schienen ihren Meister zu lieben. Sie begleiteten ihn auf Schritt und Tritt und leisteten ihm Gesellschaft.

Foto 04087     Das ist kein Foto aus der Rütlenen, es steht stellvertretend für die Arbeit von Severin

Auch das Heuen besorgt Severin allein mit eigener Kraft: Mähen mit der Sense, worben mit der Gabel, zusammennehmen mit dem Rechen. Dann wird das Heu ins Garn gepackt und zu Pinggeln verschnürt. Diese Pinggel  (bis 70 kg) werden huckepack in den Obergaden getragen.
Liegt das Heu unterhalb der Hütte, wird es auf einem Schlitten mit der Seilwinde hochgezogen. Das Heu wird im Gaden gelagert.

 

 

Hart erarbeitetes Futter für die Ziegen und Schafe

Im Winter besucht Severin die Rütlenen regelmässig. Er holt eine Portion Heu aus dem Stall und seilt dieses dann hinunter zur Kleintalstrasse, Dort lädt er es auf Hornschlitten und transportiert es so ins Dorf . Vom Dorf bis zur Luss zieht ein Motorfahrzeug den Schlitten. Und jetzt lädt sich Severin die Pinggel wieder auf den Rücken und trägt sie hinauf ins Horn.

Foto 17402            Mit dem Besitzerwechsel 1987 zu Robert und Theres Bissig-Arnold (im Bild links)  wechselt in der Bearbeitung der Liegenschaft nicht so viel. Auch Robert und Theres erledigen das Heuen noch heute ohne Maschinen. Das Heu wird ebenfalls zu Pinggeln gepackt und getragen oder geschleift. Eine Änderung, welche die Arbeit stark erleichtert: Vom Luegizug wird das Heu nicht mehr hinauf gezogen, sondern mit einem Helkopter ins Tal gebracht. Aber noch immer wird das Gädeli mit Heu gefüllt und erst im Winter oder Frühling, wenn bei den Bauern der Heuvorrat zu Ende geht, werden die Pinggel zur Strasse hinuntergeseilt. Dort werden sie an 4-5 verschiedene Bauern verkauft.

Foto 17403             Mit dieser Mannschaft resp. Frauschaft macht das Heuen Spass.
Theres und Robi Bissig-Arnold mit Grosskindern von ihrer Tochter Erika.
v.l.              Luisa / Sofia / Fabia / Theres Bissig-Arnold / Selina / Robi Bissig-Arnold

Foto 01394           Da Holzen ein Hobby von Robert Bissig ist, wird es in der Rüttlenen noch immer intensiv betrieben. Die Arbeit ist aber heute leichter und produktiver. Die Benzin-Kettensäge ist das wichtigste Werkzeug beim Holzen. Das Holz wird auch meistens direkt vom Fäll-Ort mit dem Helikopter ins Tal geflogen.

Foto  01391             Die Stürme Vivian 1990 und Lothar 1999 fällen in der Rütlenen insgesamt rund 260 Kubikmeter Holz. Da das Reisten unterdessen verboten ist, ist klar, dass nur der Helkopter den Abtransport bewältigen kann.

Foto  001962              Robert und Theres Bissig-Arnold  haben gar keine Tiere in ihrem Häimä. Sie haben sich auf eigene Kosten eine Zuleitung des elektrischen Stroms von der Gietisflue her geleistet. Sie verwenden sie für die Beleuchtung und Kleinmaschinen. 

Foto  17398             Die Trist ist  neben dem Holzen eine weitere Lieblingsbeschäftigung von Robi Bissig. Für eine solche Riesentriste brauchen er und Theres rund zweieinhalb Tage. Da wird gestreichelt und geklopft! Und sie ist gar nicht so ungefährlich, trotz Leiter, die Arbeit oben an der Spitze.

Foto  17400             Auch das Häimä Rütlenen erhält (bescheidene) Subventionen. Da der Betrieb klein ist, wird er nicht als Gewerbe eingestuft. Damit können keine Beiträge an Haus- oder Stall- Bau oder Sanierung ausgerichtet werden.
Für die Bewirtschaftung und Pflege werden Beiträge gesprochen. Der Aufwand für die Pflege der Landschaft entspricht in etwa dem fürs Heuen. So mussten im 2019 sämtliche Wiesen ‘abgerechelt’ werden (schönen), der Wanderweg muss gepflegt werden, es darf nie alles Gras aufs Mal geschnitten werden, damit die Tiere immer wieder ihren Lebensraum finden, usw.