Oberbächi

Redaktion: Markus Aschwanden KKI
Drohnen-Fotografie: Felix Aschwanden

Erstellt: 2019
Datensammlung: Edith Bissig-Zgraggen

Foto 002175     Das Häimä Oberbächi zieht sich am Hang beim Dorf weit hinauf gegen das Horn. Haus und Stall liegen auf rund 800 m ü.M. Laut ortsnamen.ch  benennt Bächi ‘das Gelände an einem Bach’, gemeint ist der Kleintalerbach. (Quelle 1470 “ab dem gout zum bächli”). Das Oberbächi wurde früher Bächihofstatt genannt..

Zum Bächi gibt es zwei Zugänge: 1. den Treppenweg vom Dorf in der Falllinie hinauf, 2. das Strässchen, das oberhalb des (abgebrochenen) Tunnels von der Kleintalstrasse abzweigt.

Drohnen-Video: Flug über das Oberbächi

Grundbuch

Liegenschaft Nr. 122

(Hauptbuchblatt 7), Plan Nr. 20 und 5 , Bächi
91’453 m²

Eigentümer
Walter Lorenz Bissig-Arnold
Oberbächi, 6461 Isenthal

 

 

Die Besitzer des Oberbächi

1859   als das Hypothekarbuch Uri eröffnet wurde ist Johann Josef Infanger, alt Ratsherr, als Besitzer des Oberbächi verzeichnet.

Ihm folgt ein Anton Infanger

Danach sind die Brüder Michael *1844 , Severin *1857  und Alois *1848  Bissig gemeinsam Besitzer des Oberbächi. Sie sind Söhne von Andreas und Maria Bissig-Gisler (Götschi Res) und sind in der Heulegi aufgewachsen. Gemeinsam gehört den drei Brüdern auch der Hundwald.
1881  Michael Bissig heiratet 1881 Rosalia Exer und übernimmt das Hermisegg.
1882  Alois Bissig heiratet Ida Trutmann und kommt in die Halten.

1883   Severin Bissig heiratet Hirlanda Infanger und bewirtschaftet das Oberbächi. Als Hirlanda stirbt, heiratet Severin Katharina Infanger. Beide Ehen bleiben kinderlos. Severin ist von 1892-1899 Gemeindeschreiber. Nach dem Tod von Hirlanda zieht Severin ins Dörfli.

 

Foto 16109 und 05845          1901   kann Johann Bissig-Gasser, verheiratet mit Josefa Gasser, ein Sohn von ‘Götschi Res’ und Katharina geb. Aschwanden, Luss das Oberbächi von Onkel Severin kaufen.

Foto 00712         Vier Generationen Bissig    v.l.
Andreas Bissig-Aschwanden  ‘Götschi Res’ 1838-1934, verh. mit Katharina geb. Aschwanden 1843-1917, Luss
Johann Bissig-Gasser ‘Alt Bächeler’ 1870-1956, verh. mit Josefa geb. Gasser ‘Gubeler‘ 1881-1958, Oberbächi
Johann ‘Hans’ Bissig-Gisler ‘Bächeler’ 1901-1993, verh. mit Rosa geb. Gisler ‘Stinis’ 1906-1977
Oskar Bissig-Infanger ‘Bächi Oskar’ *1927 verheiratet mit Emilie geb. Infanger ‘Stalden’

 Foto 05824            Hans Bissig und Rosa Gisler heiraten am 1.1.1927 in Einsiedeln.
Damals war es üblich, dass man morgens um 06.00 Uhr bei der Frühmesse geheiratet hat. Man sagt, dass Rosi sicher viel gebetet habe und sie erhört wurde. Denn nach einer kurzen Schwangerschaft kam Oskar am 26.05.1927 zur Welt. Zum Oskar gesellten sich noch 12 weitere Geschwister dazu. Theres *1951 die jüngste machte die Familie komplett.

 Foto 11656           Die Familie von Rosa und Hans Bissig-Gisler, Oberbächi  um 1950
v.l.  Mutter Rosa / Regina / Hanni / Vater Hans / Oskar / Rosi / Hans / Lorenz/ Marie / Annalisa / Ruedi / Edith / Paul / Vreni. Eins kommt dann 1951 noch dazu: Theres

Appä trolet

Oskar war bei seinen Onkeln und der Tante ‘Seppä’ in der Bielrüti um beim Wildheuen zu helfen. Dabei “trolet dr Oskar über näs Grätsch appä”, fiel eine Geröllhalde hinunter. Erst zwei Wochen später ging man mit ihm zum Arzt. Der sah, dass Oskar den Arm gebrochen hatte. Um ihn zu richten, hätte der Arzt den Arm nochmals brechen müssen. Man liess es dann aber sein.

Foto 01364            Josef Imhof ‘Wang Sebi’ *1867 ist Besitzer des Obhegli mit dem Wyler. Als er krank wird kann Hans Bissig-Gisler 1945  den Wyler und das Obhegli kaufen, unter der Bedingung, dass ‘Wang Sebi’ im Oberbächi Unterkunft, Kost und Pflege bekommt bis zu seinem Tod. Rosi Bissig-Gisler pflegt den Patienten drei Jahre lang. Er macht es ihr nicht leicht.

Ruedi in der Hostet

Bei der grossen Zahl von Kindern im Oberbächi, war man froh um jeden Mund, den man weniger stopfen musste. Deshalb lebte der kleine Ruedi  viele Jahre bei seiner Tante “Seppä” und dem Onkel Franz in der Hostet. Franz war ein sehr lieber Götti für Ruedi.
Als Ruedi in die Schule musste, kam er nach all den Jahren zum ersten Mal in das Oberbächi. Er kannte seine Eltern kaum und wusste gar nicht, dass er so viele Geschwister hat.

Foto 05844               Ruedi Bissig heiratet Regina Aschwanden vom Port. Sie übernehmen 1968 den Betrieb Oberbächi.
v.l.   Otto Aschwanden Port  /  Regina und Ruedi Bissig-Aschwanden  /  Rosa und Hans Bissig-Gisler Oberbächi

Regina pflegt, wie Ihre Schwiegermutter Rosi, viele Jahre lang einen Kranken: Den Fritz Jauch von der Schloffen.
Das Pflegekind Vreni, das auf spezielle Weise ins Oberbächi kam, durfte dort viele Jahre wohlbehütet und liebevoll umsorgt von Ruedi, Regina und Beatrix leben.
Unter dem Bächihaus wachsen drei Apfelbäume . Ruedi pflanzte sie, damit seine Enkel Sandro, Reto und Lukas ein Andenken an ihn haben. Ruedi stirbt 2013 nach langer schwerer Krankheit.

Foto 16528           Die Familie von Ruedi und Regina Bissig-Aschwanden, Oberbächi
v.l. Ruedi, Beatrice, Elisabeth, Mutter Regina, Vater Ruedi, Walter, Ruth

Die Besitzer im Jahr 2019

Foto 16491               Walter Bissig übernimmt das Oberbächi 1997. Er heiratet Michaela Arnold von Schattdorf. Michaela und Walter werden Eltern von drei Knaben: Sandro, Reto und Lukas

 

Eigentums-Übergänge im Oberbächi laut Hypothekarbuch-Uri

um 1859 Johann Josef Infanger, alt Ratsherr
Anton Infanger
Gebrüder Michael, Severin und Alois Bissig von der Heulegi
1901-1928 Johann Bissig-Gasser von der Luss
1928-1968 Hans Bissig-Gisler
1968-1997 Ruedi Bissig-Aschwanden
1997- Walter Bissig-Arnold

Der Betrieb

Foto 16102         Ruedi Jg. 1937 steht hier vor dem Oberbächi-Haus. Die Aufnahme dürfte also um 1940 entstanden sein. Das Haus macht einen ärmlichen Eindruck und zeigt auf, dass Renovationsarbeiten in den letzten Jahren kaum möglich waren.

Nach und nach werden kleine Verbesserungen gemacht. (s.h. Kasten)

 

Später kommt eine Waschmaschine mit Vollautomatik, eine Waschküche und ein WC dazu. In der Stube gibt es einen Phonograph, ein Guggerzytli, eine Nähmaschine, eine Radio und das Telefon.

Wohnen im Oberbächi

In der alten Stube steht ein Tisch, dahinter zwei Bänke und davor zwei Stühle sowie ein ‘Komödli’. Im Elternschlafzimmer ist ein grosses Bett mit Nachttischli, ein zweitüriger Schrank, ein ‘Komödli’ und ein ‘Gütschli’ (Kinderbett). Die Möbel sind vom ‘Stini Franz’ aus Tannenholz angefertigt. In der Küche steht ein zweilöchriger Kochherd mit offenem Rauchabzug, ein Tisch und zwei ‘Tabarettli’. Das Spülbecken ist aus Beton, der Schrank ist schwarz. Gegessen wird nie in der Küche, sondern in der Stube. Die Küche ist auch Werkstatt, Waschküche und Rauchkammer.

Mit der Zeit kommt ein Kochherd mit drei Löchern und einem Wasserschiff dazu. Er hat nun einen Rauchabzug mit Eisenrohr. Eine Wasserleitung wird in die Küche geführt und ein Spülbecken aus Keramik eingebaut, um 1945 ein Wäschehafen. Wände erhalten neues Täfer und Fenster wurden ersetzt. Lorenz baut Plättli an die Küchenwand. Nun kann man auch in der Küche miteinander essen.

Foto 16478              In den 1960er Jahren kommt die Lawine bis zum Stall.

Mit der Heirat mit seinem Rosi 1927 schafft Hans erst Schafe und Ziegen an. Das ‘vorige’ Heu wird verkauft. Erst 1939 kommen Rinder dazu. Das Stallinventar: zwei Gabeln, zwei Sensen, ein Heuseil und drei Holzrechen fällt mager aus.

Mist ‘tratnen’ Version Oberbächi

Der Mist wird im Winter mit einem Zwick (Ochse) hinaufgezogen. Als dann im Oberbächi viel ‘Manpower’ zur Verfügung steht, spannt der Bächi Vater zum ‘Mist tratnen’ ein Seil. Damit ziehen 4-5 Kinder das ‘Gifi’ auf Kufen mit Mist und Gülle den Hang hinauf.

Um 1945 schafft man eine Seilwinde, eine Holzfräse, einen Motormäher und eine Güllenpumpe an.

Ruedi ist die Jahre danach mit der Seilwinde im ganzen Tal unterwegs und hilft den Mist hoch zu ziehen.

Foto 05276       Das Oberbächi wirft für die Familie von Hans Bissig-Gisler zu wenig ab. ‘Der Bächeler’ muss ausserhalb dazu verdienen.

Er arbeitet bei der Bürgergemeinde als Vorarbeiter, ist viele Jahre im Korporationsrat und Allmendaufseher. Während den Kriegsjahren kommt das Haupteinkommen vom Holzen. Hans ist auch viele Jahre der Betreibungsbeamte im Isenthal. Ruedi, sein Sohn, übernimmt dieses Amt dann für 29 Jahre.

Vater Bächeler wird langsam zum Unternehmer

1838/39 wird die Waldstrasse nach Gitschenen gebaut. Hans Bissig baut diese vorwiegend mit Studenten.  Von da an wird er öfters für Grab- und Betonarbeiten angefragt. Ab 1949 tritt er erstmals als selbständiger Unternehmer auf, als im Dorfkreis Isenthal das Telefonkabel in den Boden verlegt wird. Beim Kraftwerkbau macht Bächelers Unternehmen Nebenarbeiten. Beim Bau der Kanalisation ist er für die Grabarbeiten vom Restaurant Urirotstock bis zur Staumauer zuständig. Es folgen Betonarbeiten bei den Messstationen im Klein- und Grosstalbach. Auch beim Bau des Kleintalkraftwerks wirkt seine Firma mit. Und für die Gitschenen-Seilbahn kann sie die Betonarbeiten machen.

1970 übergibt Bächi Hans sein Unternehmen dem Sohn Oskar Bissig.

Foto 12438             Hans Bissig-Gisler  ‘Bächi Hans’ entwickelte sich nach und nach zum Bauunternehmer. Hier beim Bau von z’Karis Garage ist Hans der Vorarbeiter.

Foto 16472            Mit den Jahren wird das Haus im Oberbächi umfassend erneuert.  1994 baut Ruedi einen neuen Stall. 

Das schmucke Haus gewinnt seinen Charme aber vor allem auch durch die gepflegte Umgebung. Mutter Rosi Bissig-Gisler legte einen grossen Gemüsegarten an. Ihre Schwiegertochter Regina Bissig-Aschwanden pflegt den Garten nach dem Tod von Rosi mit viel Liebe weiter und erweitert ihn.
Für den Hausumbau wird der schöne Gemüse- und Blumengarten von Regina geopfert. Nun muss sie zum ersten Mal Lauch im Dorfladen kaufen.

Foto 16477     Mit Walter Bissig-Arnold übernimmt 1997 ein Macher und Chrampfer das Oberbächi.

1999 baut er das Haus im Oberbäch um. Im gleichen Jahr heiratet er Michaela Arnold aus Schattdorf.
Walter und Michaela Bissig-Arnold bewirtschaften das Oberbächi, das Siti, das Obhegli, die Vordere und Hintere Sunnighofstatt, ab 2014 kommt der Steinberg dazu und 2018 nimmt er den Sack in Pacht.

Eine Leidenschaft von Walter ist das Wildheuen. Beim Handmähen können ihm wenige das Wasser reichen. Er geht jeden Sommer in die Wandfluh ob der Heulegi, in die ‘Horäriti’ ob dem Hermisegg und zu den ‘ Steinplätzen’ unter Wilderbutzen.

Seit 1999 betreibt Walter mit grosser Begeisterung Braunviehzucht. Die grosse Menge Milch wird für Kalbermast eingesezt. In dieser Zeit kann die Familie mit den ‘Bächeler BS’ grosse Braunvieh-Zuchterfolge feiern. (Im Bild 2016 mit dem BS-Rinder-Champion Joya)

Doch 2018/19 stellen sie ganz um und betreiben nur noch Jungvieh-Aufzucht. Weiter halten sie, wie schon Vater Ruedi, Mutterschafe.