Hintere Schwäntlen

Redaktion: Markus Aschwanden KKI
Drohnen-Fotografie: Felix Aschwanden

Erstellt: 2019
Datensammlung: Edith Bissig-Zgraggen

Foto 003086       Das Häimä Hintere Schwäntlen liegt  im mittleren Teil des Kleintals auf 1100 m ü.M.  ennet dem Chlitalerbach (von der Strasse aus gesehen) unter der Gietisfluh. Diese Felswand im Südosten sorgt für viel Schatten in der Hinteren Schwäntlen. Nördlich der Fluh zieht sich die Liegenschaft weit hinauf bis zum Häimä Rütlenen. Der Name Schwäntlen bedeutet “gerodetes Stück Land”. Der Name des Häimä wird auch Schwendlen und Schwändlen geschrieben.

Drohnen-Video: Flug über die Hintere Schwäntlen

Grundbuch

Liegenschaft Nr. 186

(Hauptbuchblatt 215), Plan Nr. 18, Schwäntlen
119’875 m²

Eigentümer
Marietheres Hürlimann-Gisler
Tschachenweg 3, 6318 Walchwil

 

 

Die Besitzer der Hinteren Schwäntlen

Über die früheren Besitzer der Schwäntlen ist uns wenig bekannt.

 

Foto 00411      Um 1900 herum war die Schwäntlen Eigentum von Josef Johann Herger 1847-1920 vom Horlachen, der sie wohl für eines seiner Kinder kaufte.

Sohn Josef, der ab 1905 in der Schwäntlen wohnt, sitzt neben seiner Mutter.

Foto 05606       Ab 1905 ist sein Sohn Josef Herger  1873-1940 verheiratet mit Anna  Gehrig 1874-1923 Eigentümer des Häimä.
Der Ehe entsprangen 7 Kinder. Die älteren Kinder gingen in Bürglen zur Schule, weil die Familie im Winter im Ritäli (Bürglen) wohnte.

Jülä und Regini gingen  bis zur Heirat ihrer Schwester Maria 1927 in Bürglen zur Schule, danach im Isenthal.

Die Eltern von Herger Jülä waren “müüsarm”. So gab es zum Essen oft eine Sauerampfer-Suppe.
Der Vater war aber trotz allem ein fröhlicher Mensch. Er sang immer das “Lied der Berge”.

Die Mutter von Edith Bissig-Zgraggen stammt auch aus der Gehrig Familie.

Die  anhängliche Krähe

Sepp Herger 1873-1940 hatte eine Krähe gezähmt. Sie begleitete ihn sogar zum Kirchgang, wo sie auf dem Kirchendach auf ihn wartete. Auch beim Wildiheuen war die Krähe stets bei ihm.
Nach dem Tod von Sepp wurde sein Sohn Jülä “Pflegevater” des Vogels. Wenn Jülä mit dem Stock auf den Boden klopfte, kam die Krähe angeflogen. 
Die Krähe lebte im Stall, zusammen mit den Hühnern. Sie starb, als sie in den Schwarm wilder Krähen kam.

Die Schuhe im Bach

Einmal ging der Vater von Regini nach Altdorf an den «Märcht». Regini dachte, dass ihm der Vater neue Schuhe nach Hause bringe und warf ihre alten Schuhe in den Bach. Als der Vater nach Hause kam, waren keine Schuhe im Gepäck. So musste Regini die alten Schuhe wieder aus dem Bach holen.

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Die Kinder 
von Anna und Josef Herger-Gehrig :
Maria 1903  – hinten l.
Anna 1905  – vorn l.
Kaspar 1907 – r.
Hermina 1910 – vorn 2. v.l.
Josef 1914 – einjährig gestorben
Max Julius (Jülä) 1917 – hinten
Regina 1918 – 2. v.r.

Tochter Maria heiratete 1927 Josef Gehrig 1902-1981 Ring Spiringen.

Tochter Anna heiratete 1931 Dominik Walker von Erstfeld, genannt “dr Neger”, weil er den Kopf voller Kraushaare hatte.

Sohn Kaspar heiratete 1941 Berta Baumann von Bürglen. Eigentlich war das kleine und stotzige Heimetli Ritäli dem Kaspar versprochen. Weil nichts schriftlich festgehalten war, konnte sich Josef Gehrig, der Ehemann von Maria, das Häimä aneignen.

Tochter Hermina fand ihren Hermann in der Zeitung. Sie blieb bis zu ihrer Hochzeit 1949 bei Jülä in der Schwäntlen. Das Ehepaar Hermina und Hermann Kieliger-Herger lebte im Erstfeldertal.

Tochter Regini arbeitete als Magd bei einer Bauernfamilie in Oberägeri. In dieser Zeit wurde sie schwanger und brachte im Dez. 1938 Sohn Anton “Toni” auf die Welt.

Kräuterwissen rettet Toneli

Toneli vertrug den Schoppen ganz schlecht. Josefa Bissig-Brand holte in der Apotheke Schmied in Altdorf Ingwerwurzeln. Die Knolle half dem Kind gegen die Übelkeit und das Erbrechen. Sie wirkte entzündungshemmend und aktivierte den Darm. 
Toni Herger sagt, dass die Josefa vom Chlosterberg seine Lebensretterin gewesen sei.

Foto 05855        Hermina und Jülä hüten den kleinen Toni, während Regini in dieser Zeit zu Fuss zur Arbeit in der Sprengstofffabrik Isleten ging.
Toni schlief immer im Zimmer beim Jülä.
Regini machte nach der Zeit an der Isleten einen Stellenwechsel. So arbeitete sie als Magd bei der Familie Holdener in Morschach. Toni blieb bei Jülä und Hermina in der Schwäntlen. Er besuchte bis anfangs 3. Klasse die Schule im Isenthal. Dann zog seine Mutter Regini mit ihm nach Schattdorf, wo sie den Gisler Xaver heiratete.

Toni war danach noch oft im Isenthal und half dem Jülä beim Heuen. Auch sein Sohn Toni Jg. 1963 half dem Grossonkel Jülä einen Sommer lang. Da erreichte die Eltern ein Telefon, Sie sollten den Buben holen, er hätte furchtbares Heimweh. Es stellte sich heraus, dass nicht das Heimweh die tränenden Augen verursacht hatte, sondern eine Heuschnupfenallergie.

Foto 12402      Toni 1938 und Marie Herger-Tresch Altdorf 

Der Speckbraten in der Schwäntlen

Einmal erlaubten sich der Fränzi, der Seppli vom Vorder  und der Res vom Hinter Klosterberg einen Scherz. Während in der Stube vom «Herger Jülä» ein zünftiger Jass geklopft wurde, “schloderete” in der Küche ein feiner Speckbraten. Da holten die drei Knaben den Braten aus der Küche und assen einen Teil davon unten am Bach. Der Rest wurde ganz leise zurückgebracht. Sie versteckten sich dann ennet dem Bach und sahen wie der «Herger Jülä» Ausschau hielt nach den Dieben.

Foto 05871    Julius Herger, dr Herger Jülä 1917-1984 übernahm die Schwäntlen 1939. Er war ein geselliger Mensch, von dem es viele Anekdoten gibt, die einem Schmunzeln machen. Leider fand Jülä keine Frau. Viel bieten hätte er ihr mit seinem Hof ja nicht können. Trotz allem blieb Julä fröhlich und freute sich über Besuche, über ein Tänzchen, über Jassrunden am Sonntag im Restaurant, über Kontakte mit Nachbarn, vor allem mit den Chlosterberglern, und an der Jagd.

 

Herger Jülä starb 1984 an Muskelschwund bei seiner Schwester Regini in Schattdorf. Sein Gotte-Maitli Marietheres Hürlimann-Gisler, eine Tochter von Regini, konnt 1984 die Hintere Schwäntlen kaufen.

Hausmann Jülä

Der Jülä konnte nicht nur gut und lecker kochen, sondern er machte auch sehr feine Pastete. Er legte sich einen Hausgarten an. Von dem Ertrag sterilisierte er Bohnen und Randen. Auch Fleisch machte er sich so haltbar. In den Kriegsjahren gab es noch einen Garten unter dem Haus und unten beim Bach, wo hauptsächlich Kartoffeln gepflanzt wurden. Auch Käsli hat Jülä selber hergestellt.

Wenn die Zachi-Buben dem Jülä die Post bis zum Haus brachten, bekamen sie von ihm einen Apfel oder ein Konfibrot. Auch Agnes und Käthy vom Chlosterberg brachten gerne dem Jülä die Zeitung. Sie mochten seine Vierfruchtkonfi so gern.

Jülä’s Mägde

Nachdem Regini mit dem Kleinen Toni nach Schattdorf gezogen war, hatte der Jülä verschiedene Mägde. Sie halfen überall mit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb. Eine Magd hiess Emilie Aschwanden vom Seelisberg. Sie war die Tochter vom «Portler Wisu».

Eine andere Magd war die Josefa Zgraggen «Seppä» von Erstfeld. Sie war aber nur einen Sommer lang beim Jülä. Sie hatte ihm zu stark befohlen was er zu tun habe. Danach wurde die «Seppä» Magd beim «Sprang Hans» im Unterbächi.

Foto 15542        Kempf Res (l.) von der Breisite und  Jülä haben viele Gämsen erlegt. Der Wildhüter Heiri Infanger hat aber nie einen der Kleintal -Wilderer erwischt.

Besitzer im Jahr 2019

Foto 0000     Marietheres Hürlimann-Gisler  (Tochter von Jüläs Schwester Regini) erwarb die Hintere Schwäntlen 1984

Foto 15557     Heidi (Schwester der Eigentümerin Marietheres Hürlimann-Gisler) und Sepp Gisler-Gisler haben das Haus in der Schwäntlen gemietet. Sie sind viel unterwegs im Kleintal, vor allem auf dem Scharti-Höreli. Sepp hat am meisten Einträge im Gipfelbuch.

Besitzer der Hinteren Schwäntlen  laut Hypothekarbuch Uri

1859 Aschwanden Johann und Johann-Josef
Bissig Jakob
Herger Peter Spiringen
Bissig Josef
Herger Johann-Josef vom Horlachen
Herger Josef, Sohn von Johann-Josef, verh. mit Anna Gehrig
1939-1984 Herger Julius Sohn von Anna und Josef Herger-Gehrig
1984- Hürlimann-Gisler Marietheres, Tocher von Regini der Schwester von Jülä

 

Der Betrieb Hintere Schwäntlen

Foto 003077              Haus und Stall in der Hinteren Schwäntlen im Jahr 2019.

Foto 15544              Die Schwäntlen mit Blick zum Usser Gädäli.
Bis 1986, als die Chlosterbergler die Schwäntlen pachteten, mussten in diesem steilen Häimä fast alle Arbeiten von Hand erledigt werden.

Foto 15534            Die Knaben Jülä (r) und Kaspar trugen den Mist im Rückenkorb den Hang hinauf.

Foto 15535          Die Kinder waren als Arbeitskräfte eine Notwendigkeit, damit alle anfallenden Arbeiten erledigt werden konnten. Den Brüdern Kaspar und Jülä scheint dieses Leben dennoch zu gefallen. 

Foto 05860           Hermina und Hermann Kieliger-Herger.  Auf einem Bergbauernbetrieb wie die Schwäntlen mussten auch die Frauen kräftig mithelfen. 

Foto 15536      In den 1930 Jahren gab es einen Lawinenniedergang beim Hinter Schwäntlentobel.  Die Lawine teilte sich, ein Teil kam durchs Tobel und der andere kam über die Trogdecke beim Stall.
Mathildi Jauch mit Kindern, –  Kaspar, Jülä, Sepp, Res, Klosterberg Alois, Sepp Herger, vorne Michael, Agnes

Foto 05880      Die Pächter ab 1986 Andreas und Edith Bissig-Zgraggen, Chlosterberg liessen unter der “Plangge” einen Bewirtschaftungsweg erstellen und die Brücke verbreitern. So muss in der Plangge nicht mehr von Hand Mist angelegt werden und das Heu kann mit einer Plane zum Weg gezogen werden.

Foto 05887       Marco Bissig     Die Gülle wird mit dem Transporter in die Schwäntlen gefahren und dort über Schläuche verteilt.

Foto 003110       2019 verlängern Andreas und Edith Bissig-Zgraggen den Bewirtschaftungsweg in der Plangge.