Schloffen und Schloffenrüti

Redaktion/Autor: Markus Aschwanden KKI
Drohnen-Fotografie: Felix Aschwanden

Erstellt: 2020
Datensammlung: Antonia Imholz-Arnold

Foto 003427            Die Schloffen finden wir im Grosstal auf ca. 1000 m ü.M. Das Häimä erstreckt sich oberhalb des Schwarzwald, dem Lauelibach entlang bis unmittelbar zur Waldstrasse, die ins Sätteli führt.
Der Name Schloffen wird mit ‘Schlupfwinkel’ einer sich verengenden Geländestelle, enger Raum, enge Schlucht zwischen Felsen, Gestein gedeutet. Beschreibung: Hof, etwas versteckt hinter Geländerippe, verengt sich im Wald.

Drohnen-Video: Flug über die Schloffen

Grundbuch

Liegenschaft Nr.320

(Hauptbuchblatt 205), Plan Nr. 9, Schloffen

Eigentümer
Peter Jauch-Brennwald
Unter Rennweg 11c, 8633 Wolfhausen
6/10 Miteigentum

Arthur Jauch
Triemlistrasse 93, 8047 Zürich
4/10 Miteigentum

 

 

Die Besitzer der Schloffen und der Schloffenrüti

1859      Leonz Ziegler, der bei der Eröffung des Hypothekarbuches Uri als erster Eigentümer der Schloffen notiert ist, ist von uns in den Ahnenbüchern nicht auffindbar.

Von Bristen ins Isenthal

Nach der Überlieferung sollen zwei Brüder Jauch in Bristen durch Lawinen Haus und Stall verloren haben.
Darauf seien die Beiden nach Isenthal ausgewandert. Ihre Nachkommen wurden die ‘Schlofniger’, nach der Liegenschaft Schloffen. Zum Schlofniger-Jauch-Stamm gehört auch Johann Josef Jauch 1851-1917, der Miseeler. Er ist ein Bruder von Kaspar Jauch, der von Leonz Josef Ziegler die Schloffen erworben hat.

Kaspar Josef Melchior Jauch 1844-1901, verh. 1875 mit Salome Ida Ursula Imholz 1851-1885. Ida Imholz ist eine Tochter von Verena Imholz-Zwyssig, von der die Nachkommen den Zunamen ‘ds Vrendlers’ haben. Das Ehepaar Kaspar und Ida Jauch-Imholz hat 6 Kinder: Franz Josef 1876-1892 (16 Jahre) /  Michael 1877-1877 (0 Jahre) /  Michael Anton 1878-1964 (86 Jahre) / Kaspar Josef 1880-1954 (74 Jahre) /  Maria Anna Verena 1882-1898 (16 Jahre) /  Paulina  1883-1916 (33 Jahre).
Die Ehefrau und Mutter Ida Jauch-Imholz stirbt 1885, nach nur 10 Ehejahren, im Alter von 34 Jahren und hinterlässt 4 Kinder von 2-9 Jahre.

1901, nach Kaspar Jauchs Tod übernehmen die Söhne Michael Jauch 1878-1964 und Josef Jauch 1880-1954 die Schloffen gemeinsam. Die beiden Brüder können zusätzlich zur Schloffen von Zwyssig Anna  noch die Rüti (Schloffenrüti) erwerben.

Später teilen sie auf. Josef wird Alleinbesitzer der Rüti und Michael der Schloffen.

Foto 15274         Foto aus ‘Uri damals’ von Karl Iten;  Aufnahme Michael Aschwanden 1906

Das Bild zeigt Michael Jauch vom Heimetli “Schloffä” in Isenthal und Agatha Herger “vom Horlacher” an ihrem Hochzeitstag im Jahr 1906.
Sie hatten zusammen 15 Kinder. Zwei davon starben schon früh; eines kam dem Holzfeuerherd zu nahe, als es allein in der Küche war, sein Röcklein fing Feuer, und es erlag den schweren Brandwunden.
Die Mutter selber starb bei der Geburt ihres fünfzehnten Kindes.

 

1916 kann Michael Jauch-Herger die Rüti von den Brüdern Beda, Eduard, Gustav und Josef Durrer wieder zurückkaufen. Sein Bruder Josef hatte sie den Gebrüdern Durrer, Besitzern des Sunnig Horlachen-Sulztal, verkauft.

Foto  05618  und 13267

Michael Jauch 1878-1964 heiratet 1906 Agatha Herger 1886-1930 vom Schattig Horlachen. Dem Ehepaar Michael und Agatha Jauch-Herger werden 15 Kinder geboren. Mutter und das fünfzehnte Kind Agatha sterben 1930 bei der Geburt.
Ehemann Michael muss mit 13 kleineren und grösseren Kindern den Betrieb in Schloffen und Rüti allein weiterführen.

 

Foto 18351                  Vor Agathas Tod verspricht Tochter Berta 1909-1999  der Mutter, dass sie für die Familie sorgen werde. Zusammen mit Schwester Elisabeth übernimmt sie das Zepter in der Schloffen. Berta verzichtet dabei auf ihren Wunsch, eine eigene Familie zu gründen. Sie bleibt in der Schloffen. Elisabeth unterstützt noch lange Zeit die Familie, heiratet aber schliesslich und zieht nach Baar.

v.l.         Elisabeth  /  Klara  /  Marie Herger  /  Berta  /  Agatha Herger  /  Rosi

Foto  07544            Vater Michael Jauch-Herger mit sechs seiner Kinder im Todesjahr seiner Frau 1930.

Alle Kinder:             Friedrich genannt Fritz 1907-1999, in der Schloffen  /  Bertha 1909-1999  in der Schloffen  /  Elisabeth Agatha  1911-  , verh. mit Johann Karl Andermatt in Baar  /  Agnes Agatha 1912-2006 , verh. mit Konrad Walker in Altdorf  /  Franz Dominik 1914-2000 , vorwiegend in der Schloffen, dann in Baar  /  Kaspar 1916-1992 , verh. mit Emma Leute, in Baden / Villmergen  /  Rosa 1918-1989 , verh. mit Josef Zurfluh, Säge Isenthal  /  Marie 1919-2007 , verh. mit Friedrich Moritzi, in Zürich  /  Alois 1921-2004 , verh. mit Ruth Stalder, in Basel  /  Jakob 1922-2009 , verh. mit Anna Leitner, in Baden, später Zürich  /  Severina 1923-1927  /  Josef 1925- , verh. mit Irma Juen, in Zürich  /  Klara 1926- , verh. mit Johann von Rotz, in Ebikon  /  Anna stirb 1927 bei der Geburt  /  Agatha stirbt 1930

Foto 12648 und 18349     

Vier der hübschen Schloffen-Töchter: 

v.l. Klara / Maria / Rosa / Bertha

 

Vater Michael wird in der Schloffen 86 Jahre alt.

Foto 18343                  1964, nach dem Tod des Vaters Michael Jauch-Herger, sind es Fritz, Franz und Bertha, die weiterhin in der Schloffen wohnen und auf dem Heimetli arbeiten. Alle drei bleiben ledig. Die restlichen Geschwister sind verheiratet oder weggezogen.  Das Häimä wird aber nie offiziell auf eines oder mehrere der Geschwister übertragen.
v.l.    Grossvater Michael Jauch-Herger  /  Bertha Jauch  / Ruth, Tochter von Jakob Jauch /  Franz Jauch /  Käthy  /  Fritz Jauch  / vorn Peter und Arthur Jauch, Söhne von Jakob

Foto  05559, 12650 und 05505           Die Geschwister Fritz, Franz und Bertha Jauch bewirtschaften die Schloffen von 1964 an gemeinsam.

Foto 18344

Hochzeit 1950 von Jakob Jauch mit Anna Leitner. Trauzeugen sind Sepp und Marie Jauch von der Schloffen

1995  ist Jakob Jauch-Leitner 1922-2009 als Besitzer der Schloffen eingetragen. Jakob hat 1950 Anna Leitner aus Österreich geheiratet. Sie wohnten erst in Baden, später in Zürich. Gemeinsam haben sie drei Kinder:  Peter 1951-  /  Arthur 1953-   /  Ruth 1958
Jakob kommt in seiner Jugendzeit, wie auch seine Geschwister, oft  mit seinen 3 Kindern in die Schloffen und hilft Fritz, Franz und Bertha beim Heuen, Holzen usw.

Foto 18362

Die Familie von Jakob Jauch-Leitner

v.l.   Arthur  /  Ruth  /  Mutter Anna  /  Peter

Besitzer 2020

Foto  18321     

1996  Peter Jauch-Brennwald und Arthur Jauch, die Söhne von Jakob Jauch-Leitner können die Schloffen vom Vater übernehmen.

v.l.   Peter Jauch-Brennwald  / Arthur Jauch

 

Peter Jauch hat 2 Kinder, wohnte in Männedorf ZH, danach in Wolfhausen ZH.

Arthur Jauch ist ledig und wohnt in der Stadt Zürich.

 

Foto 18364              Peter und Brigitta Jauch-Brennwald mit Jacqueline und Andreas

Eigentums-Übergänge in der Schloffen laut Hypothekarbuch Uri und anderen Quellen

1859 Leonz Ziegler
Kaspar Josef Melchior Jauch 1844-1901, verh. 1875 mit Salome Ida Ursula Imholz 1851-1885
Söhne Michael Jauch 1878-1964 und Josef Jauch 1880-1954
Bruder Michael Jauch 1878-1964, verh. 1906 mit Agatha Herger 1886-1930 vom Schattigen Horlachen
1964 Erben des Michael Jauch-Herger;  Von den 13 Geschwistern bewirtschaften  Fritz Jauch 1907-1999, Franz Jauch 1914-2000 und Bertha Jauch 1909-1999 die Schloffen. Eine offizielle Überschreibung findet nicht statt.
1995 Bruder Josef Jauch 1925- wird bei der Erbteilung Besitzer der Schloffenrüti. Josef Jauch lebt heute 95 jährig in Zürich.
1995 Bruder Jakob Jauch 1922-2009, verh. 1950 mit Anna Leitner, wohnhaft in Zürich wird bei der Erbteilung  Besitzer der Schloffen.
1996 Söhne Peter Jauch-Brennwald, Wolfhausen und Arthur Jauch, Zürich sind heute Besitzer der Schloffen.

 

Der Betrieb Schloffen

Foto 003435           Das Haus in der Schloffen ist vor ca. 300 Jahren gebaut worden.
Der Anbau links wird vermutlich von Michael Jauch-Herger erstellt. In seinem Untergeschoss finden die Schweine und Hühner Platz, der obere Teil ist der Holzschopf.
Das Wasser für das Häimä wird oberhalb der Schloffen über einen Scheidtrog dem Lauelibach entnommen. Ab 1973 bezieht die Schloffen das Wasser von der Wassergenossenschaft St. Jakob.

Foto 003427         Der Stall liegt untypisch ein wenig entfernt vom Haus. Durch seine Lage erleichtert er das Eintragen des Heus aus dem steilen Bord oberhalb. Es gibt auch heute noch keine Zufahrtsstrasse zur Schloffen. Da die Wiesen hinauf zum Haus wenig Steigung haben, ist es problemlos möglich, das Haus und den Stall mit einem Transporter zu erreichen.

Foto 000091        Das Haus in der Schloffen liegt idyllisch halb umschlossen vom Wald. Sicher ist aber die gewählte Lage nicht einem Wunsch nach Idylle geschuldet. Vielmehr verspricht der dichte Schloffenwald oberhalb des Hauses Schutz vor herunterrollenden Steinen. Rechts vom Haus ist eine kleine Senke, die sich durch die Wiesen hinunterzieht, zu sehen. Diese Senke leitet das Wasser ab, das in Ausnahmefällen durch zwei Trockenrinnen herunterfliesst.

Foto 18357

Auf der anderen Seite droht der Lauelibach.

Foto  001339                      Nach 1901 können die Brüder Michael Jauch 1878-1964  und Josef Jauch 1880-1954 von  Anna Zwyssig die Rüti (ab jetzt Schloffenrüti) erwerben.

Später teilen sie auf. Josef wird Alleinbesitzer der Rüti und Michael der Schloffen. Josef verkauft kurze Zeit später die Schloffenrüti den Durrer Brüdern aus Kerns.

1916 kann Michael Jauch die Schloffenrüti wieder von den Durrer Brüdern zurückkaufen. Die Schloffenrüti ist fortan Teil des Betriebs Schloffen.

Heute bewirtschaftet Theo Zurfluh-Bieri von der benachbarten Riedmatt die Schloffenrüti.

Foto 001310                   Da Michael Jauch auch die Schloffenrüti bewirtschaftet, wohnt die Familie jeweils ein paar Monate des Jahres in der Schloffenrüti.

Foto 18328

Michael und Agatha Jauch-Herger halten Kühe, Rinder, Kälber, Schafe, ein Schwein und ein paar Hühner auf den beiden Häimä.

Foto 12658

Von 1937-1945  nimmt Michael Jauch-Herger noch zusätzlich die Alp Wilderbutzen in Pacht.

v.l.   verm. Jakob Jauch  /  Rosa Zurfluh-Jauch  /  Lisbeth Andermatt-Jauch  /  Konrad Walker-Jauch, Altdorf  / Kind von Konrad

Mit Ziegen ins Haldifeld

Fritz und Bertha bleiben oft über längere Zeit im Haldifeld beim Wildheuen. Dabei nehmen sie ihre Ziegen mit. Bertha melkt die Ziegen im Haldifeld und macht aus der Milch kleine Geisskäsli. Diese trägt sie dann stolz ins Tal hinunter.
Bruder Franz geht jeweils auf der gegenüberliegenden Chulm in die Wildi.

Foto 12660             v.l.   Fritz Jauch  /  Rosa Zurfluh-Jauch  /  Bertha Jauch  /  Agnes Walker-Jauch

Eigentlich führen ja die Geschwister Fritz, Franz und Bertha den Betrieb in der Schloffen. Ihre Geschwister sind aber oft zu Besuch und helfen. So können Fritz, Franz und Bertha lange auf ihrem Häimä leben und arbeiten.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da die Gesundheit eine Veränderung verlangt.
Fritz Jauch verbringt seine letzten 7 Jahre bei Regina und Ruedi Bissig-Aschwanden im Oberbächi.
Schwester Bertha findet im Altersheim Rosenberg ihre letzte Heimat.
Franz kommt zu seiner Schwester Elisabeth Andermatt-Jauch nach Baar.

Foto 04081 und 18326

Fritz Jauch ist in unserer Erinnerung der sympathische Mann, der sich an seinen Schafen ebenso freut, wie an seinen Neffen und Nichten. Sein Bruder Franz scheint eher zurückhaltender gewesen zu sein, von ihm existieren kaum Fotos.

Foto 001583           Nachdem die Geschwister Fritz, Franz und Bertha den Betrieb Schloffen nicht mehr selber führen können, verpachten sie das Wiesland an Isidor Gasser vom Stärtenberg.

Peter und Arthur Jauch verpachten die lanwirtschaftliche Nutzfläche des Häimä bis 1999 an Heinrich Bissig-Infanger.

Danach übernimmt Daniel Imholz, vom benachbarten Schwarzwald, das Wiesland in Pacht. Daniel Imholz hält lange Zeit Kälber und Kühe, bevor er auf Schaftzucht umstellt. Heute weiden seine Schafe eine Zeit lang in der Schloffen.  Das Heu aus der Schloffen bringt er jetzt  in seinen neuen Stall im Schwarzwald.

Foto 18372             Im Isenthal gibt es heute nur noch einen Jauch-Stamm, die Miseeler (der Ast ganz links). Die Schloffniger sind zwar nicht ausgestorben, aber von ihnen lebt niemand mehr im Isenthal.

Foto 18359                 Einsam aber in einer prächtigen Kulisse: das Schloffen-Haus.
Die Besitzerfamilien pflegen das Haus und sind sehr gern hier in den Ferien.